HomeRechtsgebieteVerkehrsrechtSchadenspositionen im Verkehrsunfallrecht

Schadenspositionen im Verkehrsunfallrecht

 

Fahrzeugschaden

Der Geschädigte kann grundsätzlich Ersatz des ihm wegen des Verkehrsunfalls entstehenden Fahrzeugschadens verlangen. In erster Linie kommen dabei die Reparaturkosten in Betracht. Die zu erstattenden Kosten ergeben sich dabei aus der Reparaturrechnung. Der Geschädigte muss den Pkw jedoch nicht reparieren lassen. Achtung! Die gegnerische Haftpflichtversicherung des Unfallgegners versucht hier oftmals durch Täuschung den Geschädigten dazu zu bringen, eine Reparaturrechnung vorzulegen oder einen die Zahlung des Schadens oder eines Teils davon von der Vorlage einer Reparaturrechnung abhängig zu machen. Der Geschädigte, der auf Grund eines Gutachtens eine Schadensersatzleistung erhält, ist in der Verwendung der Leistung frei. Es kann also eine Reparatur vollständig unterbleiben oder zu einem günstigeren Preis als zu dem durch das Gutachten festgestellten Betrag vorgenommen werden. Das bedeutet konkret, der Geschädigte allein, und keinesfalls die gegnerische Haftpflichtversicherung des Unfallgegners, entscheidet, ob er den Pkw überhaupt repariert, ob er den Pkw nur teilweise repariert, ob er ihn selbst oder gar nicht repariert. Allein der Geschädigte entscheidet auch darüber, ob er den Pkw verkauft oder behält. Grenzen gibt es hier lediglich beim wirtschaftlichen Totalschaden. Keinesfalls ist der Geschädigte verpflichtet, eine Reparaturrechnung vorzulegen.

Wirtschaftlicher Totalschaden

Die Höhe der Reparaturkosten kann im Einzelfall, gerade bei älteren Pkw, die bereits stark an Wert verloren haben, den Betrag übersteigen, der zur Anschaffung eines mit dem beschädigten Fahrzeug vergleichbaren Ersatzfahrzeugs erforderlich ist. Dann spricht man von einem „wirtschaftlichen Totalschaden“. In solchen Fällen wird von dem Geschädigten aus Gründen der Schadensminderungspflicht grundsätzlich verlangt, dass er von der kostenträchtigen und somit unwirtschaftlichen Reparatur absieht und stattdessen eine vergleichbares Ersatzfahrzeug anschafft. Es wird dann auf der Basis eines Wiederbeschaffungswertes, also dem Wert, den man benötigt, um einen vergleichbaren Pkw zu erwerbern, abgerechnet und davon dann noch der sog. „Restwert“, also der Wert, den der Pkw im beschädigten Zustand aufweist, abgezogen. Hier entsteht oftmals Streit, weil die gegnerische Haftpflichtversicherung des Unfallgegners oftmals versucht, den Restwert durch besondere Anbieter nach oben zu treiben, um letztlich dem Geschädigten weniger zu bezahlen. Hier kann nur ein Rechtsanwalt helfen. Einzelheiten der Schadensbewertung sind im Übrigen kompliziert.

130%Grenze bei der Verkehrsunfallregulierung

Da die Rechtsprechung das Interesse des Eigentümers an dem Erhalt seines PKw höher einschätzt als die Schadensminderungspflicht, erlaubt die Rechtsprechung dem Geschädigten, den Pkw zu reparieren, wenn der Schaden am Pkw maximal 130% über dem Wiederbeschaffungswert liegt.

Wertminderung

Im Falle der Beschädigung eines Fahrzeugs tritt unter bestimmten Voraussetzungen eine Wertminderung des Fahrzeugs ein, selbst wenn die Reparatur ordnungsgemäß und fachgerecht durchgeführt wird. Eine solche Wertminderung ist grundsätzlich im Rahmen des zu leistenden Schadensersatzes vom Schädiger zu ersetzen, wobei die Wertminderung um so höher ausfällt, je neuer und je beschädigter der Pkw ist. Auf der anderen Seite wird man bei geringen Schäden oder bei Schäden an alten Pkw dem Geschädigten keine Wertminderung mehr zubilligen können. Eine Wertminderung ist dadurch begründet, dass ein Kunde bei einer Kaufabsicht und der Wahl zwischen zwei identischen Pkw bei gleichem Preis stets den unfallfreien Pkw vorziehen würde, es sei denn, der Veräußerer des verunfallten Pkw schafft durch einen niedrigeren Verkaufspreis einen höheren Kaufreiz. Diese Notwendigkeit, beim verunfallten Pkw einen besonderen Kaufreiz zu gewähren und den Verkaufspreis zu senken, ist zu vergüten und soll durch die Wertminderung kompensiert werden. Es handelt sich um eine sog. merkantile Wertminderung. Im übrigen unterscheidet man davon die sog. technische Wertminderung. Sie liegt vor, wenn der Pkw nach der Reparatur sich in einem technisch schlechteren Zustand befindet als vorher, was eher selten vorkommen dürfte.

Verbringungskosten

Verbringungskosten sind die Kosten, die anfallen wenn der Pkw von der Werkstatt zur Lackiererei verbracht werden muss. Das ist immer dann und zur Zeit sehr häufig der Fall, weil die Werkstätten dazu übergegangen sind, die Lackierungen nicht mehr unmittelbar in der Werkstatt sondern anderweitig, oftmals von Dritten vorzunehmen. Auch diese Verbringungskosten sind im Schadensfall zu ersetzen, da sie zum normativen Schaden gehören, und zwar auch bei der fiktiven Abrechnung auf Gutachtenbasis. Ein freier Gutachter wird diese Schadensposition in seinem Gutachten daher immer aufnehmen, weil die Verbringungskosten zum Schaden gehören.

Reparaturschaden

Ein Reparaturschaden (im Gegensatz zum Totalschaden) liegt jedenfalls immer dann vor, wenn die Wiederherstellung des früheren Zustands technisch möglich und wirtschaftlich sinnvoll ist, d. h., der für die völlige Wiederherstellung des Fahrzeugs entsprechend dem Zustand unmittelbar vor dem Augenblick der Beschädigung erforderliche Reparaturaufwand finanziell geringer ist als der Wiederbeschaffungswert abzüglich des ggf. zu erzielenden Restwertes. Liegt der erforderliche Reparaturbetrag über diesem Betrag, ist er aber nicht höher als der Wiederbeschaffungswert, dann kann der Geschädigte die Reparaturkosten fordern, wenn er die Reparatur auch tatsächlich sach- und fachgerecht ausführen lässt und dies auch durch ein kurzes Nachgutachten, Bestätigungen der Werkstatt oder eigenen Lichtbildern nachweist.

Will der Geschädigte in einem solchen Fall jedoch fiktiv auf Gutachtenbasis abrechnen, ohne die Durchführung der Reparatur nachzuweisen, muss nach den Grundsätzen der Schadensminderungspflicht eine Vergleichsrechnung durchgeführt werden, bei der den Reparaturkosten die Differenz aus Wiederbeschaffungswert abzüglich Restwert gegenüber gestellt wird. Der Geschädigte hat sodann nur Anspruch auf den niedrigeren der beiden Vergleichsbeträge. Übersteigen die Reparaturkosten hingegen den Wiederbeschaffungswert und will der Geschädigte die Reparatur gleichwohl ausführen, weil er an an dem Pkw hängt, dann darf er dies nach der Rechtssprechung nur dann, wenn er sein sog. „Integritätsinteresse“ dokumentiert, d. h. der Geschädigte sein schutzwürdiges Interesse an der Erhaltung gerade seines so schwer beschädigten Fahrzeugs nachweist. Dieser Nachweis gelingt dann, wenn der Geschädigte seinen Pkw behält und ihn bis zu einer Grenze von 130 % des Wiederbeschaffungswertes ohne Abzug des Restwertes fachgerecht reparieren lässt.

Nutzungsausfallentschädigung

Der Nutzungsaufall ist grundsätzlich eine durch die Rechtsprechung anerkannte Entschädigung für die Dauer des Ausfalls der Möglichkeit der Pkw-Nutzung. Eine Nutzungsausfallentschädigung kann jedoch nie fiktiv beansprucht werden, sondern immer nur bei einem konkreten Ausfall der Nutzungsmöglichkeit des Pkw. Bei (Weiter-) Benutzung eines beschädigten Pkw kann also keine Nutzungsausfallentschädigung beansprucht werden. Bei Abrechnung auf fiktiver Reparaturkostenbasis kann solange kein Nutzungsausfall verlangt werden, wie die Reparatur des Pkw nicht nachgewiesen wird. Bei Abrechnung auf fiktiver Reparaturkostenbasis bei einem Totalschadensfall kann solange kein Nutzungsausfall verlangt werden, wie der Verkauf und Abmeldung des verunfallten sowie die Anschaffung und Anmeldung eines Ersatzfahrzeugs nicht nachgewiesen wird. Bei Abrechnung auf tatsächlicher Reparaturkostenbasis kann solange kein Nutzungsausfall verlangt werden, wie die Reparatur des Pkw nicht durch Vorlage der Reparaturrechnung nachgewiesen wird.

Höhe der Nutzungsausfallentschädigung

Die Höhe des Nutzungsausfalls wird vom Kfz-Sachverständigen in seinem Gutachten angegeben und nach der verbreiteten Tabelle von Sanden / Danner / Küppersbusch bestimmt. Ausgehend von der Kalkulation vergleichbarer Mietwagenkosten (beruhend auf den Fahrzeugpreisen und den entstehenden Betriebskosten) wird der Tagessatz für jedes Modell errechnet. Bei älteren Modellen lässt der Bundesgerichtshof je nach Alter des Pkw und seiner Ausstattung einen Abzug von einer bzw. sogar von zwei Klassen zu.

Entsorgungskosten

Der Geschädigte hat nach den Grundsätzen des normativen Schadens auch Anspruch auf Erstattung der Kosten für eine Verschrottung des Fahrzeugs.

An- und Abmeldekosten

Der Geschädigte hat nach den Grundsätzen des normativen Schadens auch Anspruch auf Erstattung der Kosten für die An- und Abmeldekosten des verunfallten bzw. der erworbenen Ersatzfahrzeugs.

Kostenpauschale / Unkostenpauschale

Der Geschädigte hat Anspruch auf Ersatz seiner ihm durch die Schadensregulierung entstandenen Portokosten, Fahrtkosten und Telefonkosten. Diese werden regelmäßig mit 25,00 € abgegolten.

Rechtsanwaltskosten

Der Geschädigte hat Anspruch auf Ersatz seiner ihm durch die Schadensregulierung entstandenen Rechtsanwaltskosten. Diese werden von der Versicherung übernommen, weil der Geschädigte aus Gründen der sog. „Waffengleichheit“ das Recht hat, sich anwaltlicher Hilfe zur sachgerechten Durchsetzung seiner Interessen zu bedienen.

 

Kontaktdaten

Rechtsanwaltskanzlei

Gertenbach & Keseberg


Königsplatz 36b
34117 Kassel
Telefon: 0561 - 400 630
Fax: 0561 - 4 006 322
info@rae-gertenbach.de

Bürozeiten

Die Sprechzeiten zu denen wir für Sie erreichbar sind:

Montag - Freitag:

09:00 Uhr - 13:00 Uhr

Montag - Donnerstag :

14:00 Uhr - 17:30 Uhr

Sowie jederzeit nach Vereinbarung